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Vom Rettungswerk der Hunde

Im Jahre 1774 schreibt der Genfer Maler Bourrit erstmals über das Rettungswerk der Mönche und der Hunde auf dem Grossen St. Bernhard, wobei er sagt, dass das schon lange allgemein bekannt sei.

Das Hospiz-Archiv schweigt sich darüber aus, wann erstmals Hunde zum Rettungsdienst eingesetzt worden sind. In der 1644 für die «Acta Sanctorum» verfassten Beschreibung des Hospizes, seiner Tagesordnung und der Aufzählung der Arbeiten, Mönche und Knechte zum Offenhalten des Passes, werden keine Hunde erwähnt. Ob die bereits erwähnte Notiz aus dem Jahre 1707 «Ein Hund wurde uns verschüttet» so gedeutet werden kann, dass Hunde zum Rettungsdienst eingesetzt wurden, ist ungewiss.

Von Prior Ballalu wissen wir, dass ab 1700 in der Zeit vom 11. November bis 15. Mai täglich ein Knecht, Marronnier genannt, Reisende nach Bourg-Saint-Pierre hinunter begleitete und dort die Reisenden in Empfang nahm, die zum Hospiz hinauf wollten. Von Hunden sagt der Prior nichts. Ab 1750 nahmen die Marronniers Hunde mit, die voraus zu laufen hatten, um mit ihrer breiten Brust einen Weg durch den Schnee zu pfaden. Von da an nehmen die Berichte über den Dienst der Hunde zu und die Meldungen über tot aufgefundene Reisende ab. Offensichtlich begann sich der Dienst der Hunde segensreich auszuwirken.

Die Hauptaufgabe der Hunde bestand aber nach wie vor darin, die Marronniers zu begleiten. Dank ihres vorzüglichen Ortssinns fanden sie auch bei Nacht und Nebel oder im dichten Schneegestöber den Weg zum Hospiz mit Sicherheit. Allein gingen sie nicht auf Tour, sondern stets nur in Begleitung eines Marronniers oder eines Ordensmannes. Erst später lesen wir auch von selbständigen Touren der Hunde. Das legendäre Fässchen am Halsband scheint jedoch die Erfindung des begeisterten Alpinisten Meissner zu sein, der 1816 in den «Alpenrosen» schrieb: «Oftmals hängt man den Hunden ein Fässchen mit Branntwein oder anderm stärkenden Gebräu und ein Körbchen mit Brot an den Hals.» Die Hospiz-Chronisten wissen jedoch nichts davon; dagegen spricht Kanonikus Murith 1800 von einem kleinen Bastsattel, mit dem die Hunde Milch und Butter von der Sennerei La Pierre ins Hospiz hinauftrugen.

Schätzungsweise sind während der 250 Jahre, in denen die Hunde ihren Rettungsdienst versahen, an die 2000 Menschen mit ihrer Hilfe gerettet worden. Zur Zeit der napoleonischen Kriegszüge überquerten an die 250'000 Soldaten den Pass. Die Hunde versahen jetzt ihren Dienst so gut, dass zwischen 1790 und 1810 nicht ein einziger Soldat im Schnee erfror. Die letzte, urkundlich festgehaltene Rettung datiert aus dem Jahre 1897. Damals wurde ein 12 Jahre alter Knabe in der Totenschlucht von einem Hund aufgefunden und geweckt. Der berühmteste Rettungshund war sicher Barry 1, der von 1800 bis 1812 auf dem Hospiz lebte und mit dessen Hilfe 40 Menschen gerettet werden konnten. Der alt gewordene Barry wurde im Jahre 1812 von einem Pater zu Fuss nach Bern gebracht, wo er 1814 an Altersschwäche starb.
1815 wurde er ausgestopft und im Naturhistorischen Museum in Bern ausgestellt.

Barry wurde schon zu Lebzeiten zur Legende, besonders die offensichtlich von P.Scheitlin erfundene Geschichte von dem Knaben, der von Barry auf dem Rücken zum Hospiz getragen worden sei, machte die Runde durch viele Bücher und Zeitschriften und hat viel zum Ruhme der Hospizhunde beigetragen. Ist sie wahr(??), jedenfalls bestehen im Hospiz-Archiv darüber keine Aufzeichnungen.

Auf dem Bilde Rittmeyers mit dem auf dem Hunde reitenden Knaben, wie auch auf dem Denkmal im Hundefriedhof von Asnière bei Paris, ist Barry als langhaariger Hund abgebildet, ein Irrtum, der sich bis heute hartnäckig gehalten hat, obschon sich jedermann im Museum in Bern vom Gegenteil überzeugen kann.

 

 

 

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Letzte Aktualisierung: 03-01-2012