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Die Hospizhunde Die ersten Hunde kamen vermutlich zwischen 1660 und 1670 als Wachhunde auf das Hospiz. Ein unbekannter Maler hat 1695 im Hospiz zwei Hunde gemalt. Es sind Hunde vom Typ des «Küherhundes»; sie haben aber etwas schwerere, doggenartige Köpfe. Der eine ist ein Mantelhund mit fast weissem Kopf, der andere ist gefleckt. Eine erste schriftliche Erwähnung datiert aus dem Jahre
1703. Daraus geht hervor, dass der Küchenmeister Vincent Canos ein Laufrad
konstruierte, in das er einen Hund sperrte, der dann den Bratspiess drehen
musste. Die Idee war durchaus nicht neu, das «Eichhörnchen in der Trülle»
war ehedem ein beliebtes Spielzeug, und wenn man bedenkt, dass, gemäss einer
Notiz aus dem Jahre 1898, jährlich zwischen 18000 und 20000 Reisende im Kloster
vorsprachen und drei volle Tage unentgeltlich verpflegt wurden und das Essen
zudem vorwiegend aus Fleisch und Brot bestand, so begreift man den Küchenmeister,
wenn er nach einer Arbeitserleichterung suchte. Prior Ballalu hat die Erfindung
Canos' schriftlich festgehalten. «Die Hunde auf dem Grossen St.Bernhard erreichen nicht das
Alter, wie ihre Stammesgenossen bei uns, 6-8 Jahre ist das Maximum ... in erster
Linie kommt dies von der Feuchtigkeit des Hauses, die den Tieren Rheumatismus
verursacht.» Die Hospizhunde werden von allen Chronisten als von ausserordentlicher Grösse beschrieben. Das ist jedoch ein relativer Begriff. Der berühmte Barry ist, verglichen mit den heutigen Bemhardinern, eher klein, die heutigen Hunde mit 65-80kg Körpergewicht wären zum Gebirgsdienst auch gar nicht mehr tauglich. Übereinstimmend wird jedoch von allen Chronisten die Farbe der Hunde als braunrot mit weissen Flecken angegeben. Diese Färbung muss einst unter den Bauemhunden in der Schweiz sehr weit verbreitet gewesen sein. Noch heute sagt der Oberaargauer, wenn er die Häufigkeit irgendeines Gegenstandes bildhaft ausdrücken will, «vo däm git's meh weder rot Hüng», obschon es heute kaum mehr rote Bauemhunde gibt. Die rot-weisse Färbung war denn auch zu Beginn der Reinzucht fast das einzige Merkmal eines Bernhardiners, und mancher Bauemhund wurde damals als echter Bernhardiner verkauft, obschon seine Ahnen das Hospiz nie gesehen hatten. Es war also keineswegs schwer, bei Bedarf immer wieder ähnliche Hunde aus den Tälern heraufzuholen, und in der Abgeschiedenheit des Hospizes konnten sich hier innert kurzer Zeit «Lokalschläge» herausbilden. So sind denn auch die noch vorhandenen Schädel von Hospizhunden recht verschieden. ![]() Die Sammlung von Bernhardinerschädeln in der Sammlung der
Albert-Heim-Stiftung lässt mindestens zwei Typen unterscheiden, die zur
gleichen Zeit lebten. Die grössten Schädel stammen von einem relativ
kurznasigen Typ mit starkem Stirnabsatz; die kleineren Schädel - namentlich
auch der Schädel des berühmten Barry - sind flacher, zeigen nur schwachen Stop
und lassen sich nicht von den grösseren Schädeln des «Küherhundes»
unterscheiden. Craniologisch (nach der Schädelform zu urteilen) gibt es jedenfalls bis weit in die Zeit der stammbuchmässigen Reinzucht hinein keine Unterschiede zwischen St. Bernhards- hunden und Grossen Schweizer Sennenhunden. Es kann deshalb überhaupt kein Zweifel darüber bestehen, dass St.Bernhardshund und Grosser Schweizer Sennenhund ursprünglich nicht voneinander zu trennen waren. Rot-weisse grosse Hunde waren vor der Jahrhundertwende weit verbreitet, wir sehen sie auf zahlreichen Postkarten als «Käsereihunde», aber auch auf alten Fotos als ganz gewöhnliche Bauemhunde. So sagt auch Prof. Th.Studer: «In einem grossen Teile der Schweiz, in der Ebene und in den Alpen, wird eine mittelgrosse, meist langhaarige, aber auch stockhaarige kräftige Hunderasse mit Hängeohren als Wachhund, Treibhund oder auch als Zughund gehalten ... Im Kanton Bern ist der Hund meist grösser, über 60cm, mit zuweilen längerer Behaarung und häufig von rotgelber Farbe mit weissen Abzeichen.» Und an anderer Stelle finden wir einen Bericht aus dem Jahre 1860 von einem Engländer, der in die Schweiz gekommen war, um hier Bernhardiner aufzukaufen. Seine ursprüngliche Absicht war, auf das Hospiz zu fahren, nachdem er aber bereits im Kanton Bern ein paar «Bernhardiner» zusammengekauft hatte, die durchaus seinen Wünschen entsprachen, verzichtete er auf die Weiterfahrt. In Freiburg, soweit führte damals die Eisenbahn, sah er vor einem Hause einen sehr schönen «Bernhardiner» angebunden, den er auch noch kaufte, dass dieser «Bernhardiner» schwarz mit braunen und weissen Abzeichen war, störte ihn überhaupt nicht.
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