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Kriegs-, Zwischenkriegs- und Nachkriegsjahre

Die Bernhardinerzucht marschierte nun flott voran, und an der Landesausstellung 1914 in Bern wurden 122 Bernhardiner ausgestellt; doch kaum waren die Schwierigkeiten der Gründungsjahre überwunden, warf der Erste Weltkrieg seine Schatten. Die Jahresberichte der Klubpräsidenten werden kurz, man spürt daraus die Sorge um den Fortbestand des Klubs. Selbst der an sich nicht sehr hohe Jahresbeitrag von Fr. 15.- bildete wohl für etliche Mitglieder bereits eine Last, so dass die Generalversammlung 1915 beschloss «in Anbetracht der schwierigen Zeitlage, wird seitens des Kassiers zunächst nur die Hälfte des Jahresbeitrags eingezogen und dem engeren Vorstand die Befugnis erteilt, die zweite Hälfte ... evtl. für diesmal den Mitglieder zu erlassen.» Anscheinend blieb es dann die Kriegsjahre hindurch beim halben Jahresbeitrag. Aber nicht nur der Krieg warf seine Schatten, sondern auch klubintern traten wieder Schwierigkeiten auf. Im Jahre 1915 entstand unter dem ehemaligen Präsidenten Kohler-Grütter, ein «Internationaler St.-Bernhards-Club», der um Aufnahme in die SKG nachsuchte. Vorderhand wurde mit dem neuen Klub noch verhandelt, doch nachdem die SKG dessen Aufnahme abgelehnt hatte, brach man auch im St.-Bernhards-Club die Verhandlungen mit den Dissidenten ab, und fortan hörte man nichts mehr von ihnen.

Im Jahre 1916 war die Zucht auf ein Minimum gesunken. In seinem Jahresbericht schreibt der Präsident:

«Viele Züchter liessen ihre Hündinnen nicht decken, da Futtermangel und keine Aussicht auf Absatz die meisten abschreckte. Auch im Ausland hat die Bernhardinerzucht schwer gelitten.»

Doch schon witterte man Morgenluft, glaubte man doch damals, das Kriegsende sei bald in Sicht: «Man hofft jedoch schon jetzt auf eine rege Nachfrage nach Kriegsschluss, worauf unsere Züchter schon jetzt Bedacht nehmen wollen.»

Sie nahmen «Bedacht», denn nach Kriegsschluss im November 1918 zeigte sich, dass, wie Hans Zimmerli in seiner Festrede zum 75-jährigen Bestehen des Klubs sagte, unter grossen Opfern schöne Zuchttiere durch die schwere Zeit hinübergerettet wurden, mit denen nun die Zucht wieder aufgenommen werden konnte.

Nach dem Ersten Weltkriege bildeten die Zuchten von Deppeler, Dür, Steiner und Manuss die Grundsteine der Bernhardinerzucht. Ihnen folgten Hauenstein, Luginbühl, Ritz, Lüdin und Thommen. Doch bald schon fürchteten die Züchter um den Absatz ihrer Hunde. So wurde 1923 beschlossen, es sollten pro Wurf nicht mehr als zwei Hündinnen aufgezogen werden, und wer das Gebot übertrat, hatte für jede «überzählige» Hündin Fr. 50.- an die Klubkasse abzuliefern. Der Beschluss wurde offensichtlich, wie spätere Protokolle zeigen, von den Züchtern nicht befolgt, und so wurde er an der GV 1926 wieder aufgehoben. Überproduktion und Preise scheinen die Hauptthemen der Generalversammlungen in den zwanziger Jahren gewesen zu sein, man erhält den peinlichen Eindruck, es sei den Züchtern damals mehr ums Geld als um die Hunde gegangen.

Daneben befassen sich die Protokolle mit uns durchaus wohlvertrauten Dingen; so hatte sich ein Mitglied anlässlich der Ausstellung 1923 in Bern in «unflätiger Weise» über das Richterurteil geäussert und sollte sich nun entschuldigen. Der Mann zog aber den Austritt aus dem Klub der Entschuldigung vor. Auch von Stammbaumfälschern ist die Rede und, wie heute, von wilden Züchtern, die sich nicht an die Reglemente halten, und damals wie heute verlangt man von der SKG, dass sie energisch dagegen einschreiten sollte. Freilich, wie sie das tun kann, hat bis heute keiner herausgefunden!

An den Vorstandssitzungen wird viel Zeit an interne Streitigkeiten verschwendet. Mehrheitlich handelte es sich dabei um belangloses Zeug, aber wir Menschen sind nun einmal so.

Recht aktuell mutet der Beschluss der GV 1924 an, der Aktuar müsse dem Redaktor von «Hundesport und Jagd» schreiben und ihn auffordern, mehr über den Bernhardiner zu publizieren, der Klub selber habe keine Zeitungsschreiber in seinen Reihen. Als dann aber Redaktor Fritz Leimgruber einen Bericht über die Bernhardiner an der Ausstellung in München veröffentlichte und darin einen Hund aus deutscher Zucht lobte, war man auch nicht zufrieden und vertrat sogar die Ansicht, Leimgruber habe den damit der schweizerischen Bernhardinerzucht zugefügten Schaden wiedergutzumachen; wie, wurde freilich nicht gesagt.

Ein Novum war auch der Vorschlag eines Dr. A. Bader, man sollte einen grossen und einen kleiner Bernhardiner züchten, damit könnte die Zahl der Käufer von Junghunden beträchtlich erhöht werden.

1929 bewilligte die GV einen Betrag von Fr. 500.- an die in Aussicht genommene Gründung der Albert-Heim-Stiftung. Positiv erwähnt werden darf auch die Herausgabe des Heimatbuches über den Grossen St. Bernhard, das 1951 erschien.

Den Züchtern wurde die Auflage gemacht, mit jeder Wurfeintragung zwei Exemplare zu beziehen und an die Käufer der Junghunde abzugeben.

Immer wieder wurde versucht, den Bernhardiner als Lawinenhund populär zu machen, und der Vorstand beschloss sogar, der Rettungsflugwacht einen Hund zur Verfügung zu stellen. Man wollte auch Richtlinien für die Abrichtung des Bernhardiners zum Lawinendienst herausgeben. Dieser Traum dürfte unterdessen endgültig ausgeträumt sein, der heutige Bernhardiner ist für den Suchdienst auf dem Lawinenfeld zu schwer und zu unbeweglich, damit müssen ,sich die Bernhardinerfreunde abfinden. Das soll nicht heissen, dass jeder, der Lust und Freude hat, seinen Bernhardiner gemäss Prüfungsordnung auszubilden, dies nicht tun soll; die Erfolge der heutigen Abrichtegruppe beweisen, dass das durchaus möglich ist.

 

 

 

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Letzte Aktualisierung: 03-01-2012